Konstantin Kleine

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Mitternächtliches Intermezzo

August 25th, 2010 by Konstantin Kleine

22. August 2010

Landung in Beirut 0:15. Beim Verlassen des Flugzeugs schnappe ich erstmal nach Luft. Gut, ich wusste, das es im Orient ein paar Grad wärmer ist als in Mitteleuropa, aber über 30° und mehr als 80% Luftfeuchtigkeit sind doch etwas viel des Guten. Hey, es ist Mitternacht!

Dieses Formblatt für den Visaantrag verlangt eine Adresse, unter der ich im Libanon zu erreichen sein werde. Eigentlich ja kein großes Problem, nur, es gibt in Beirut keine wirklichen Straßennamen abseits der großen Verkehrsachsen, wie ein Anruf bei meiner Couchgeberin Sally ergibt. “Near Place Sassine” reicht dem Grenzbeamten gottseidank auch. Vielleicht war er einfach noch zu verwirrt von meinem Versuch, französisch mit ihm zu sprechen. Merke: Nur, weil im Libanon Französisch immer noch Amtssprache ist, heißt das noch lange nicht, das es irgendjemand auch versteht.

Auch die Taxifahrer vor dem Haupteingang haben mit französisch nicht viel am Hut. Dafür spielen die ein nettes Spielchen mit mir. Eigentlich sollte die Strecke nicht mehr als 20 US$ kosten, aber für diesen Preis will mich niemand fahren. 35 $ sei normal, wird mir immer wieder versichert, 35, das sei der staatlich festgelegte Preis, ein Polizist soll Zeuge dafür sein. Wirklich wie ein Polizist sieht er nicht aus, aber immerhin hat er ein frisch gebügeltes Hemd. Einer “erbarmt” sich schließlich meiner, 25 $ für die Strecke sind für ihn ok. Sitzpolster und Licht gehören bei Taxis im Libanon aber zu den aufpreispflichtige Extras. Gut, auf das Licht kann man verzichten, konsequenterweise wurde auch der Großteil der Staßenbeleuchtung eingespart, aber etwas Polsterung wäre bei den Schlaglöchern nicht schlecht. Ich bezweifle wirklich, das Montreal noch mehr von den Dingern hat.

Immer dem Gehupe hinterher, geht es Richtung Achrafiye. Zu diesem Zeitpunkt glaube ich noch fest daran, das Hupen der entgegenkommenden Autos sei als Hinweis auf die fehlende Frontbeleuchtung oder den Fahrstil des Taxifahrers meiner Wahl gedacht. Hm. Später mehr zu dieser Frage.

Der Place Sassine ist mittlerweile ein Kreisverkehr. Ab hier weiß auch der Taxifahrer nicht mehr weiter, nach einigen Runden und ein paar unergiebigen Stichproben, mal in diese, dann in jene Richtung, rufe ich Sally noch einmal an, sie verspricht mich da einzusammeln, wo ich jetzt bin. Das klappt sogar wirklich, einige Minuten später kommt sie mit Emre, einem anderen Couchsurfer, um die Ecke und führt mich auf den siebten Stock eines Plattenbaus. In der Wohnung, mehr Dachterrasse als überdacht, ist gerade Vorglühen angesagt, noch bevor ich meinen Rucksack absetzen kann, fragt mich so ein Tween mit sehr vielen Dreads, ob ich auch noch mit zur psychodelischen Party möchte. Psychodelisch? Nachdem es mittlerweile zwei Uhr morgens ist, bleibe ich lieber mit Sallys Bruder auf der Dachterrasse. Hier macht ein wenig Wind die 32° etwas erträglicher. Wasser gibt es leider gerade nicht viel, ein Problem mit dem Tank auf dem Dach, soweit ich es verstanden habe, aber mit viel Eiswürfeln und etwas Pepsi (Coca Cola ist irgendwie out im Libanon) bin ich auch glücklich.

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3 responses so far ↓

  • 1 Martin Hejma Aug 25, 2010 at 15:35

    Also Bilder sehe ich und frage mich woran denn nun das Hupen der entgegenkommenden Autos lag? Konsi ich wünsche dir eine aufregende Reise! (Testdruck habe ich heute abgenommen)

  • 2 Anja Aug 25, 2010 at 17:02

    Groooossartige Schilderung! Aber zumindest mit dem Wetter kann ich dich beruhigen, das wird besser je laenger man da ist. :) Viel Spass noch, Konsi!

  • 3 Christopher Aug 27, 2010 at 16:39

    Hab grad auf CS gesehn, dass du unterwegs bist. Dann versorg uns mal fleißig mit weiteren Berichten und Bildern… Bisher wars echt nett zu lesen. Man merkt die journalistische Ader. ;-) Viel Spass und Erfolg weiterhin.