21. August 2010
Hamburg – Beirut: was liegt da auf dem Weg? Istanbul? Sarajevo? Nicht für Air Baltic. Es ist ja auch wirklich naheliegend, einen kleinen Zwischenhalt in Riga zu machen (für die Leser ohne Globus: Riga ist im Norden, Beirut von Hamburg aus gesehen doch eher im Süden). Also Hamburg – Riga, Riga – Beirut. Gesamtreisezeit 16 Stunden, davon zehn in Riga. Endlich Zeit, diese Reise einmal eingehender zu planen.
Rückblende, es ist Juni in Hamburg und die Ergebnisse der Hausarbeiten sind da, alle bestanden bedeutet 6 Wochen Urlaub im Sommer. Meine Idee: Nach Beirut fliegen, sechs Wochen durch den nahen Osten bummeln und hoffentlich am 1. Oktober von Tel Aviv aus zurückfliegen. Visa gibt es wohl an den Grenzen, nur für das syrische muss noch ein paar Mal in den Obstgroßhandel, bei “Oceanic Fruits” spielt jemand Konsulat. Immerhin verteilt er wirklich Visa. Zwei Tage vor Abflug Großeinkauf bei Globetrotter, Stiefel, Mikropur, Decke, Wasserflasche und ein paar Landkarten, der Lonely Planet Guide Middle East steht schon etwas länger in Regal, das muss doch reichen.
Abflug Hamburg 8:15. Mein Mitbewohner war noch bis 5 in der Bib und bringt mich netterweise zum Flughafen. Beim Check-in bin ich der einzige, der schon online für das Gepäckstück bezahlt hat, dafür muss der Rucksack zum Sperrgepäck. Sitz suchen im Flieger, Augen zu. Ich werde erst nach der Landung in Riga wieder wach. 10 Stunden Aufenthalt, eigentlich wäre jetzt mal Zeit, einen Blick in den Lonely Planet zu werfen. Ich suche also ein Cafe im Flughafen, bekomme aber anstatt dessen die Info, das in Riga heute Stadtfest und daher die Shuttlebusse zur Innenstadt kostenlos sind. Hm. Lonely Planet? Riga? Riga gewinnt.
Raus aus dem Flughafen, rein in den Regen, feststellen, das es doch so keine gute Idee war, die Regenjacke mit dem Rucksack einzuchecken. Der Bus ist wirklich kostenlos, aber auch entsprechend voll. Riga ist eine eigenartige Mischung aus ganz alten Villen mit Garten (sieht ein bisschen aus wie in Südfrankreich), kommunistischen Plattenbauten und ganz neuen Einkaufszentren, die auch von Porta-Möbel sein könnten. Ein System, was wo ist, scheint es nicht zu geben. Der Rohbau der Nationalbibliothek lässt zumindest vermuten, das die Letten fleißige Schreiber sind, sonst wird die nie voll.
Über eine lange Brücke, dann bin ich wirklich in der Innenstadt. Und da ist auch wirklich ein Fest. Was genau gefeiert wird, erschließt sich mir nicht ganz, an einer Glitzerskulptur steht etwas von 500 Jahre Weihnachtsbaum? Trotzdem hat es eine Kunstflugshow (Looping direkt über dem Publikum), eine Parade mit fünf Musikern und einer Menge Comicfiguren und Werbemaskottchen und ein Musikfestival, das aber bei Regen Pause machen muss, die Verstärker haben kein Dach. Beim Kinderland wäre es den Eltern wohl lieber, auch hier gäbe es eine Regenunterbrechung. Gibts aber nicht.
Der Rigaer Dom ist erschreckend schmucklos, größer als eine Turnhalle und Basketballkörbe würden nicht weiter auffallen. Anscheinend haben die Protestanten zwar die katholische Deko entfernt, aber kein Geld für etwas neues gehabt. Am Eingang gibt es zwei Preise, einen für normale Besucher, einen für professionelle Photographen. Die Frau an der Kasse schaut mich an, schaut meine Kamera an und meint, die Kamera sähe zwar professionell aus, ich aber nicht wie ein Photograph. Vielen Dank auch.
Nachdem ich keine Lust habe, mir auch noch lettisches Geld zu besorgen, suche ich ein Cafe, das auch Euros nimmt und lande in einem Restaurant, in dem die Kellner einen Dreispitz tragen. Egal, was man bestellt, es sind immer Zwiebelringe dabei.
Nach 5 Stunden im Regen ohne Regenjacke beende ich das Experiment Riga. Die Sicherheitskontrolle am Flughafen ist unglaublich lax, man kann Gürtel und Schuhe einfach anbehalten. Auch für das Handgepäck interessiert sich niemand so wirklich. Vielleicht waren die aber auch ganz mit anderen Passagieren beschäftigt, pünktlich in den Flieger schaffen es nicht einmal 30 Mitreisende. Beim Boarding zeigt sich zum ersten Mal in Riga die Sonne, fünf Minuten nach dem Start ist wieder Sonnenuntergang. Auch diesen Flug verschlafe ich fast völlig.
NB: Mein Blog mag derzeit keine Bildunterschriften, ein jeder denke sich seinen Teil.
Tags: Flug · Lettland · Orient · Photo · Reise · Riga2 Comments
2 responses so far ↓
Hmm, dein Blog mag momentan vor allem keine Bilder – das ist das eigentliche Problem!
Sehr cool geschrieben übrigens!
Hm. Kannst Du garkeine Bilder sehen?